Ich durfte mal wieder eine Geburtstagstorte machen. Das Thema war schnell gefunden, da der Beschenkte und seine Familie seit einem Urlaub im letzten Jahr große Schwedenfans sind. Ein „bisschen“ unter Zeitdruck stand ich auch mal wieder, aber eine schwedische Flagge auf einer Torte war mir dann doch zu einfach. Da habe ich mir gedacht, ein kleines schwedisches Häuschen kann doch so schwer nicht herzustellen sein. Einfach einen Kuchen schnitzen, dann mit Fondant überziehen und liebevoll mit Fenster, Türen, Veranda, Blumen etc. dekorieren. Vielleicht noch ein paar Gardinen, rankende Rosen an den Wänden, Blumenkästen vor dem Fenster – achja, ein kleiner Elch im Garten oder vielleicht ein kleines Bötchen? Erkennt ihr den Fehler? Genau, in 1 Tag frei und 2 Feierabenden ist das nicht zu schaffen. Das habt ihr wahrscheinlich in 2 Sekunden erkannt, ich habe dafür etwas länger gebraucht…
Also schnell den Eierlikörkuchen zusammenrühren und im Ofen parken, in der Zeit beschließen, dass statt einer Veranda auch ein Zaun reicht (wobei, vielleicht schaffe ich die Veranda ja doch noch??) und mit Engelsgeduld die Zaunpfosten modellieren. Während der Kuchen auskühlt, düse ich mit dem Rad in die Stadt. Den Fondant habe ich diesmal nämlich fertig gefärbt bei SugarheArt gekauft – der Motivtortenladen in Lübeck fast um die Ecke ist tatsächlich ein Segen für solch spontane Projekte und für jede Art von Beratung sowieso 🙂 Ein Cakeboard und Ausstecher für Spitzen werden auch gleich eingepackt. Wieder zurück wird der kalte Kuchen schnell zurechtgeschnitten – und man sollte auch schneiden und nicht nur drücken, sonst kommt ein schiefes Häuschen dabei raus (genau, Kuchen ist ja flexibel und springt aus der zurechtgedrückten geraden Position garantiert wieder in schief zurück….). Kurz meine Ruckzuck-Buttercreme angerührt und damit das Häuschen eingeschmiert, dann den Fondant drauf und schnell noch das Cake Board grün überziehen. Dann erstmal durchatmen. Man kann das Häuschen inzwischen etwa so gut erkennen, wie man auf Kinderbildern Mama und Papa erkennen kann…. Ich sage mir, dass die kleinen Risse an den Seiten später eh mit Kletterrosen verdeckt werden- ja, noch hatte ich von Kletterrosen geträumt.
Mit dem ClayExtruder stelle ich dann die weißen Balken her und klebe diese erstmal rundrum an. Dann steche ich die Spitzenkante unter dem Dach aus, klebe diese an und von da an habe ich mich in das kleine schiefe Häuschen verliebt 🙂 Jedenfalls steht ja noch ein großes Programm auf meiner Liste… Aus schwarzem Fondant werden die Fenster ausgeschnitten. Dann kommt der ClayExtruder noch für die roten Holzbretter an der Fassade zum Einsatz. Lauter schmale Streifen wollen parallel und in gleichmäßigem Abstand aufgeklebt werden. Mittlerweile ist es schon etwas später geworden und der Liebste verlangt nach Abendbrot. Deswegen werden die Holzbretter erstmal zugunsten weißer Fensterrahmen beiseite gelegt, natürlich mit den Worten „ich brauche noch 20min, dann bin ich fertig und wir können Essen“. Als nach 30min die Fenster noch nicht fertig sind, wird dann doch erstmal der knurrende Magen befriedigt. Außerdem, schließlich habe ich morgen und übermorgen nach Feierabend noch ganz viel Zeit für Kletterrosen, Elche und Blumen!!
Naja, das Ende vom Lied war jedenfalls, dass ich die 2-3h nach Feierabend noch irgendwo zwischen hektisch und geduldig die roten Bretter und weißen Fensterrahmen angeklebt habe. Zu diesem Zeitpunkt war dann selbst mir klar, dass die Zeit auch für die wesentlichen Dinge eines Hauses (Fenster, Tür, Dach) doch ziemlich knapp war. Dem Zeitdruck ist zum einen die Rückseite des Häuschens zum Opfer gefallen – wer braucht da schließlich noch Fenster?? Zum anderen habe ich meinen Liebsten („Es sind ja schließlich auch deine Freunde“) zum Helfen abkommandiert. Während ich endlos viele Dachziegel ausgestochen habe, hat er unter großem Gefluche die Platten für den Steinweg und das Gras gemacht. Die schwedische Flagge hat mein Liebster auch noch ausgedruckt. Zu unserem Glück fing die Geburtstagsfeier noch etwas später als geplant an, so dass ich noch schnell und heimlich ein paar Blümchen ausstechen konnte und sogar noch die Blumenkästen machen konnte. Ja und plötzlich war aus einem Kuchen eine typisch schwedisches, gemütliches kleines Häuschen geworden.
Die mieserablen Fotos bitte ich euch zu entschuldigen, etwa 5min bevor das Taxi gekommen ist hatte ich einfach nicht mehr die Geduld für Licht, Blende und Co.









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